Hochwasser und Sturmflut: Vorbereitung

Wasser kann langsam steigen oder innerhalb kurzer Zeit Wege abschneiden. Wer die örtlichen Risiken kennt und rechtzeitig handelt, kann sich und andere besser schützen. Diese Seite führt von der Vorbereitung bis zur sicheren Rückkehr. Sie ersetzt keine aktuelle Warnung und keine Anweisung der Einsatzkräfte.

Bei akuter Gefahr: Meiden Sie Keller, Tiefgaragen und überflutete Wege. Suchen Sie einen höher gelegenen sicheren Bereich auf und beachten Sie Evakuierungsanweisungen. Bei Lebensgefahr wählen Sie 112.

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Welche Wassergefahr betrifft meinen Ort?

Flusshochwasser, Überschwemmungen durch Starkregen und Sturmfluten an der Küste haben unterschiedliche Ursachen. Starkregen kann auch fern größerer Gewässer Straßen und Grundstücke überfluten. Wasser sammelt sich besonders in tiefer liegenden Bereichen; aus einem sonst unscheinbaren Abflussweg kann eine gefährliche Strömung werden. Darauf weist das BBK zum Thema Starkregen hin.

Unterscheiden Sie langfristige Gefahrenkarten von aktuellen Meldungen: Eine Karte beschreibt mögliche Risiken, eine Warnung eine konkrete Lage. Auch ein Pegelwert an einem Fluss erklärt nicht jede Überflutung in Ihrer Straße. Für Entscheidungen zählen die örtliche Situation, der Gültigkeitszeitraum und die Hinweise der zuständigen Stellen.

Was ich vorher vorbereiten kann

Das eigene Gebäude und die Umgebung prüfen

Fragen Sie bei Ihrer Kommune nach Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten. Besprechen Sie als Mieterin oder Mieter notwendige Maßnahmen mit der Hausverwaltung. Bei Eigentum sollten Fachleute prüfen, wie Kelleröffnungen, Lichtschächte, Zugänge und eine mögliche Rückstaugefahr gesichert werden können. Schutzbarrieren müssen zum Gebäude passen; improvisierte Maßnahmen bieten keinen verlässlichen Rundumschutz. Die BBK-Informationen zum Gebäudeschutz helfen bei der Vorbereitung eines Beratungsgesprächs.

Lagern Sie wichtige Unterlagen und empfindliche Gegenstände möglichst außerhalb gefährdeter Bereiche. Prüfen Sie bestehende Versicherungsunterlagen rechtzeitig darauf, welche Wasser- und Überschwemmungsschäden erfasst sind. Das klären Sie in Ruhe vor einer Warnlage.

Gemeinsam einen Plan machen

Vereinbaren Sie, wohin Sie bei einer angeordneten Evakuierung gehen und wie Sie sich wiederfinden, wenn Telefon oder Internet ausfallen. Klären Sie, wer Kinder, pflegebedürftige Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität unterstützt. Denken Sie auch an Assistenz- und Haustiere, Transportmöglichkeiten und notwendige Medikamente. Eine ausgedruckte Kontaktliste hilft, wenn das Mobiltelefon nicht verfügbar ist.

Halten Sie Notgepäck mit persönlichen Medikamenten, wichtigen Dokumenten, wetterfester Kleidung, Trinkflasche, etwas haltbarem Essen, Erste-Hilfe-Material, Bargeld und geladener Powerbank griffbereit. Dokumente lassen sich zusätzlich durch wasserdichte Aufbewahrung und gesicherte digitale Kopien schützen. Fahrzeuge und Wertgegenstände werden nur rechtzeitig vor Eintritt der Gefahr aus gefährdeten Bereichen gebracht.

Immobilien vor Hochwasser und Starkregen schützen

Zeitgemäßer Gebäudeschutz verbindet eine passende Entwässerung, geschützte Öffnungen und eine möglichst ungefährdete Haustechnik. Welche Kombination hilft, hängt von Wasserwegen, Geländehöhen, Baugrund und Kellernutzung ab. Lassen Sie das Haus deshalb als Ganzes beurteilen: Wasser kann eine einzelne Barriere umgehen oder von unten eindringen. Die folgenden Hinweise helfen, eine Begehung mit Fachbetrieb oder Planungsbüro vorzubereiten.

In diesem Abschnitt: Rückstauschutz · Sandsäcke bevorraten · Alternativen · Gebäude und Haustechnik · Schutzplan

Rückstau aus dem Kanal: Klappe oder Hebeanlage?

Bei einem gefüllten Kanal kann Abwasser durch ungesicherte Toiletten, Bodenabläufe oder Waschmaschinenanschlüsse ins Haus gelangen. Entscheidend ist die örtliche Rückstauebene: die Höhe, bis zu der Wasser im Entwässerungssystem zurückstauen kann. Lassen Sie diese beim zuständigen Entwässerungsbetrieb klären und alle tiefer liegenden Abläufe im Entwässerungsplan kennzeichnen.

  • Abwasserhebeanlage mit Rückstauschleife: Sie sammelt das Abwasser und fördert es über die Rückstauebene. Sie ist regelmäßig die passende Lösung, wenn tiefliegende Abläufe auch bei Rückstau gebraucht werden oder die Nutzung der Räume einen einfachen Verschluss ausschließt. Die fachgerecht ausgeführte Rückstauschleife schützt auch bei Pumpenausfall gegen Kanalrückstau; eigenes Abwasser kann dann aber nicht weitergepumpt werden. Das muss der Betriebsplan berücksichtigen.
  • Rückstauverschluss: Er kommt nur unter bestimmten Voraussetzungen infrage, unter anderem bei Gefälle zum Kanal, untergeordneter Nutzung und wenn während des Rückstaus auf die angeschlossenen Abläufe verzichtet werden kann. Für WC-Abwasser gelten zusätzliche Bedingungen und eine dafür geeignete Bauart; dazu gehören ein kleiner Nutzerkreis und ein verfügbares WC oberhalb der Rückstauebene. Eine einfache Rückstauklappe ist dafür keine pauschale Lösung. Fachbetrieb und örtlicher Entwässerer müssen die Eignung klären.
  • Leitungen richtig trennen: Abwasser aus oberen Etagen und Dachregenwasser dürfen sich nicht hinter einem geschlossenen Verschluss aufstauen. Sonst überflutet das eigene Wasser den Keller. Auch tiefliegende Außenabläufe und Kellertreppen brauchen eine eigene Betrachtung. Eine Klappe in der gemeinsamen Hausleitung ist deshalb keine allgemeine Nachrüstempfehlung.

Die Unterscheidung erläutern der Erftverband im Rückstauhandbuch und die Hamburger Umweltbehörde zum Rückstauschutz. Die dort genannten örtlichen Vorgaben gelten nicht automatisch an jedem Standort. Vorhandene Sicherungen müssen zugänglich bleiben, kontrolliert und nach einem fachlich festgelegten Wartungsplan gewartet werden; Nachweise aufbewahren.

Sandsäcke bevorraten: Material und Aufbau vorher planen

Sandsäcke können eine vorübergehende Schutzlinie ergänzen, benötigen aber Material, Lagerplatz, Helfer und Aufbauzeit. Legen Sie vorab fest, welche Öffnungen geschützt werden sollen und welche Menge dafür nach dem vorgesehenen Aufbau gebraucht wird. Eine pauschale Stückzahl pro Haus hilft wenig. Testen Sie den Aufbau rechtzeitig und verlassen Sie sich nicht auf eine kurzfristige Beschaffung während des Ereignisses.

  • Säcke und Füllmaterial: Das THW beschreibt gewaschenen, zum Gewebe passenden Sand. Säcke nicht prall füllen: Als Orientierung nennt das Ausbildungshandbuch etwa die Hälfte des gesamten Sacks; nach dem Verschließen entspricht das ungefähr zwei Dritteln des Raums unter dem Verschluss. So kann sich der Sack besser an benachbarte Säcke anschmiegen.
  • Vorrat organisieren: Klären Sie, ob gefüllte Säcke gelagert werden oder ob leere Säcke, Sand, Schaufeln und eine Füllhilfe rechtzeitig einsatzbereit sind. Rechnen Sie beim Probeaufbau die tatsächliche Füll-, Transport- und Aufbauzeit mit. Beschriften Sie den Lagerort und vereinbaren Sie, wer mithilft.
  • Material erhalten: Lagern Sie Säcke trocken, dunkel und vor Schädlingen geschützt. Kunststoffgewebe kann durch UV-Licht geschädigt werden. Prüfen Sie vor dem Einsatz Gewebe und Verschlüsse; eine allgemeine Haltbarkeit in Jahren lässt sich nicht für alle Materialien angeben.

Grundlage sind das THW-Ausbildungshandbuch, Lernabschnitt 8, S. 68–70, die THW-Fachinformation zur Lagerung, S. 25 und die bayerischen Hinweise zur Vorbereitung. Sandsäcke dichten ein Gebäude nicht vollständig ab. Bei beginnender Überflutung keine Materialien mehr aus dem Keller holen und keinen gefährlichen Aufbau fortsetzen.

Welche Alternativen zu Sandsäcken gibt es?

  • Passgenaue Dammbalken und Schotts: Herausnehmbare Balken oder Platten verschließen Türen, Tore oder andere Öffnungen. Befestigungen, Bodenanschluss und Dichtungen müssen vorher zum Gebäude passend vorbereitet sein. Der Schutz hängt vom vollständigen, rechtzeitigen Aufbau ab; lose Bretter sind damit nicht gleichzusetzen.
  • Wasser- und druckbeständige Fenster oder Türen: Sie können gefährdete Öffnungen dauerhaft anpassen. Lassen Sie die Eignung für aufgestautes Wasser und den Anschluss an Wand und Rahmen nachweisen. Eine Angabe zur Schlagregendichtheit allein beantwortet diese Frage nicht. Das HLNUG-Faktenblatt zu Fenstern erklärt die baulichen Ansatzpunkte.
  • Wassergefüllte Schlauchbarrieren: Diese zeitweise eingesetzten Systeme brauchen geeigneten Untergrund und Schutz gegen Unterströmung. Überströmen oder andere Überlastung kann zu plötzlichem Versagen führen. Die Hochwasserschutzfibel des Bundes, S. 53, beschreibt diese Bauart und ihre Grenzen.
  • Fest eingebaute oder selbsttätige Schutzsysteme: Sie können bei sehr kurzen Vorwarnzeiten sinnvoller sein als erst heranzutragende Barrieren. Auch sie brauchen eine fachgerechte Planung, Pflege und Funktionskontrolle. Der Bauvorsorge-Flyer aus Baden-Württemberg hebt automatische Systeme gerade wegen der oft fehlenden Aufbauzeit hervor.

Vor dem Kauf vergleichen: Lassen Sie sich konkrete Prüfunterlagen für die vorgesehene Wasserhöhe und Belastungsdauer zeigen. Fragen Sie nach verbleibender Leckage, passenden Anschlüssen und – wenn am Standort relevant – nach Strömung, Wellen und Treibgut. An der Küste muss auch die Eignung bei Salzwasser geklärt werden. Entscheidend ist der nachgewiesene Einsatzbereich des gesamten eingebauten Systems. Die hessischen Informationen zum technischen Hochwasserschutz betonen passende Dichtungen, sicheren Aufbau und die Gefahr von Wasser, das die Schutzlinie umgeht.

Lichtschächte, Grundstück und Haustechnik mit schützen

  • Öffnungen und Durchführungen: Prüfen lassen sollten Sie erhöhte Lichtschachtoberkanten, gesicherte Kellerabgänge sowie die Abdichtung von Rohr- und Kabeldurchführungen. Kellerwände, Boden und Anschlüsse müssen für die tatsächliche Wasserbelastung zusammenpassen.
  • Wasser auf dem Grundstück: Gefälle vom Gebäude weg, geeignete Schwellen, Rückhaltemulden und weniger versiegelte Flächen können helfen. Dabei darf Wasser nicht zum Nachbarn oder auf öffentliche Wege umgeleitet werden. Die Broschüre „Hamburg schützt sich vor Starkregen“ zeigt solche Maßnahmen und ihre Zusammenhänge.
  • Versorgung und Heizung: Elektroverteilung, Heizungsregelung und Wärmepumpen einschließlich der Außeneinheit möglichst außerhalb des ermittelten Überflutungsbereichs anordnen lassen. Tanks und Leitungen brauchen fachgerechten Schutz gegen Auftrieb und Schäden. Sichere Abschaltmöglichkeiten werden vorab geplant; bei Überflutungsgefahr nicht mehr dafür in den Keller gehen.

Grenzen der Abdichtung: Grundwasser, seitlicher Wasserdruck, Auftrieb oder Unterspülung können das Gebäude gefährden. Eine vollständig abgedichtete Kelleröffnung löst diese Probleme nicht. Lassen Sie die Standsicherheit und die Grenzen der vorgesehenen Maßnahmen beurteilen. Bei hohem Außen- oder Grundwasserstand einen Keller nicht eigenmächtig leerpumpen. Die Bundesfibel erläutert diese Zusammenhänge auf S. 35–38, den Schutz der Haustechnik auf S. 61–64 und das Auspumpen auf S. 69.

Ein kurzer Schutzplan für das eigene Haus

  • Bestandsaufnahme: Gefahrenkarten, Geländehöhen, Entwässerungsplan und frühere Wassereintrittsstellen zusammenstellen; mit Fachleuten eine sinnvolle Schutzgrenze und verbleibende Risiken festlegen.
  • Beschaffen und erproben: Passendes Material, Lagerort, Werkzeuge, Helfer und Zuständigkeiten festhalten. Mobile Elemente einmal vollständig aufbauen und die benötigte Zeit notieren. Die allgemeinen bayerischen Hinweise zu mobilen Schutzelementen erklären, warum ausreichende Vorwarnung entscheidend ist.
  • Betreiben und kontrollieren: Wartung für Rückstausicherung, Pumpen, Dichtungen und Verschlüsse nach den maßgeblichen technischen Regeln und Herstellerangaben festlegen lassen, dokumentieren und nach Umbauten neu prüfen. Einen sicheren Ausweg und einen Zeitpunkt festlegen, ab dem der Gebäudeschutz abgebrochen wird. Menschenrettung und Evakuierung haben Vorrang.

Wenn Wasser steigt oder eine Warnung eintrifft

Handeln Sie frühzeitig nach den örtlichen Anweisungen. Eine Evakuierung darf nicht durch das Sichern von Eigentum verzögert werden. Helfen Sie anderen nur, wenn Sie sich dabei nicht selbst gefährden.

  • Keller und Tiefgaragen meiden: Gehen Sie bei Überflutungsgefahr nicht hinunter, um Vorräte, Sicherungen oder das Auto zu holen. Auch Unterführungen und unterirdische Zugänge sind gefährlich. Suchen Sie höher gelegene sichere Bereiche auf.
  • Wasser und Strom trennen: Eine vorsorgliche Abschaltung kommt nur infrage, solange der Zugang trocken und gefahrlos ist. Betreten Sie dafür keine bedrohten Räume und berühren Sie keine nassen Anlagen. Lassen Sie gefährdete Elektrik durch Fachleute beurteilen.
  • Überflutete Wege nicht queren: Gehen oder fahren Sie nicht durch überschwemmte Straßen. Tiefe, Strömung und Schäden darunter sind schwer erkennbar. Beachten Sie Sperren und halten Sie Abstand zu Ufern.
  • Hilfe gezielt anfordern: Melden Sie eingeschlossene oder akut bedrohte Personen über 112. Nennen Sie den Standort und die Gefahr. Bringen Sie sich nicht für Rettungsversuche im Wasser selbst in Lebensgefahr.

Erst sicher zurückkehren

Beachten Sie nach einer Evakuierung die behördlichen Anweisungen zur Rückkehr; sinkendes Wasser bedeutet noch keine Entwarnung für das Gebäude. Lassen Sie Elektrik und gegebenenfalls Heizung, Tanks oder Gebäudesicherheit fachlich prüfen. Schalten Sie durchnässte Geräte nicht selbst wieder ein. Pumpen Sie Räume nicht eigenmächtig leer, solange der Grundwasserdruck Schäden verursachen kann. Dokumentieren Sie Schäden für die Versicherung und stimmen Sie weitere Arbeiten ab. Hinweise dazu gibt das BBK nach einem Hochwasser.

Quellen und redaktioneller Stand

Grundlage sind die BBK-Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Ausgabe 10/2025) und die verlinkten amtlichen Fachinformationen. Ergänzend: BBK – Handeln bei Hochwasser. Redaktionell geprüft am 18. Oktober 2026. Die Links öffnen Originalangebote; auf dieser Seite werden keine laufenden Pegelstände oder Warnungen angezeigt.

Der Abschnitt zum Immobilienschutz wurde am 18. Oktober 2026 ergänzt. Verwendet wurden öffentlich zugängliche Fachinformationen des Bundes, der Länder, des THW und öffentlicher Entwässerungsträger. Die Bundesfibel hat Stand Februar 2022, Nachdruck 2024; das THW-Ausbildungshandbuch Stand Mai 2022, das Rückstauhandbuch des Erftverbands Stand November 2020 und der im Landesportal angebotene Bauvorsorge-Flyer Stand 03/2025. Die Quellen vermitteln Grundlagen. Für die konkrete Ausführung sind die aktuell maßgeblichen technischen Regeln, die örtlichen Entwässerungsvorgaben und die Planung für das jeweilige Gebäude entscheidend.