Kommunikation im Notfall: Was tun, wenn Strom, Internet und Mobilfunk ausfallen?

Wenn Strom, Festnetz, Mobilfunk oder Internet ausfallen, können Anrufe, Messenger und Warn-Apps zeitweise nicht funktionieren. Kein Funkgerät garantiert dann Verbindung. Am zuverlässigsten ist ein vorher abgesprochener Plan, den alle kennen und mit ihren Geräten ausprobiert haben.

Auf dieser Seite: Familien- und Nachbarschaftsplan · Kommunikationswege · Empfehlung · Recht und Sicherheit · Quellen

Zuerst Absprachen treffen – das kostet nichts und hilft sofort

Legen Sie mit Familie, Freunden und Nachbarn fest, wie Sie sich bei Netzausfall melden. Schreiben Sie den Plan auf Papier und geben Sie allen eine Kopie. Beziehen Sie Kinder, ältere Angehörige, Betreuungspersonen und Menschen mit Unterstützungsbedarf ein.

  • Kontaktperson außerhalb der Region: Wenn einzelne Netze noch funktionieren, können Angehörige dort ihren Status hinterlassen.
  • Treffpunkte: Vereinbaren Sie einen Ort in der Nähe und einen zweiten außerhalb des Wohnumfelds. Bei akuter Gefahr gilt die Anweisung der Einsatzkräfte.
  • Check-in-Zeiten: Legen Sie feste Zeiten und eine kurze Nachricht fest, etwa „bin sicher, bleibe hier“. Vereinbaren Sie, wie lange jemand wartet. Vermeiden Sie unnötige Wege durch Gefahrenbereiche.
  • Papierliste: Notieren Sie Nummern, Adressen, Treffpunkte, Zuständigkeiten und besondere Hilfebedarfe – nicht nur im Smartphone.
  • Nachbarschaft: Verabreden Sie, wer bei alleinlebenden oder unterstützungsbedürftigen Menschen nach dem Rechten sieht. Fragen Sie Ihre Kommune nach örtlichen Informations- und Notfall-Anlaufstellen.

Das BBK empfiehlt, Kontakte aufzuschreiben, Anlaufstellen zu kennen und sich bei der Stadt oder Gemeinde über Informationen und Notrufmöglichkeiten bei einem längeren Stromausfall zu erkundigen. Notrufnummern sind für echte Notfälle gedacht, nicht für allgemeine Auskünfte. BBK: In der Krise informiert sein · BBK: Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe.

Welche Wege können noch funktionieren?

Batterie- oder Kurbelradio: Informationen empfangen

Ein batterie-, kurbel- oder autobetriebenes Radio kann Behördeninformationen und Rundfunk empfangen, sofern Sender und Empfang vor Ort verfügbar sind. Es ist ein Einweg-Kanal: Sie können hören, aber nicht zurückmelden. Halten Sie Batterien bereit und kennen Sie regionale Sender. Das BBK erläutert, warum Radio bei Ausfall von Mobilfunk und Internet wichtig bleibt.

PMR446-Handfunkgeräte: Gespräche im direkten Umfeld

PMR446-Geräte sind einfache Handfunkgeräte für kurze Gespräche zwischen Personen mit passenden Geräten. Sie brauchen kein Mobilfunknetz und können für Familie oder eine kleine Nachbarschaftsgruppe nützlich sein. Die Reichweite hängt stark von Gebäuden, Gelände, Antennenposition und Störungen ab; Herstellerangaben sind keine Zusage. Die Bundesnetzagentur sieht geeignete tragbare PMR446-Geräte mit eingebauter Antenne vor, nicht Basisstationen oder Repeater. Bundesnetzagentur: Allgemeinzuteilung für Funkgeräte geringer Reichweite (PMR446).

CB-Funk: gemeinsame Funkverbindung ohne individuelle Lizenz

CB-Funk ist in Deutschland eine private Funkanwendung. Die Bundesnetzagentur erlaubt die Nutzung dafür vorgesehener Frequenzen unter technischen und betrieblichen Bedingungen. Das kann für Gruppen passen, die kompatible Geräte besitzen und Funkzeiten absprechen. Auf der Gegenseite muss ebenfalls ein CB-Gerät eingeschaltet sein; Reichweite und Verständlichkeit sind nicht garantiert. Bundesnetzagentur: CB-Funk und Allgemeinzuteilung.

LoRa-Mesh, etwa Meshtastic: kleine Textnachrichten ohne Mobilfunk

LoRa ist eine Funktechnik für kleine Datenmengen, kein einheitliches öffentliches Netz und keine automatische Internetverbindung. Systeme wie Meshtastic können Textnachrichten zwischen kompatiblen Geräten übertragen und über aktive Knoten weiterreichen. Dafür müssen die Geräte Funkkontakt haben, dieselben Funk- und Kanaleinstellungen nutzen und Strom haben. Prüfen Sie, ob vor Ort überhaupt eine aktive Gruppe existiert. Meshtastic weist darauf hin, dass unpassende Einstellungen jede Verbindung verhindern können und ein öffentliches Mesh nicht garantiert ist. Meshtastic: ein lokales Mesh finden.

LoRaWAN-Sensornetze sind davon zu unterscheiden: Sie nutzen typischerweise Gateways und einen Netzbetreiber oder Serverdienst und sind nicht automatisch ein direkter Familien-Chat. Behandeln Sie Funk-Mesh-Nachrichten nicht wie einen vertraulichen oder garantierten Kurznachrichtendienst. Senden Sie keine sensiblen Daten; Verschlüsselung verhindert weder Ausfälle noch Fehlkonfigurationen. Meshtastic: Verschlüsselung und ihre Grenzen.

Freifunk: lokales WLAN-Mesh, aber kein automatischer Internet-Ersatz

Freifunk ist ein gemeinschaftlich betriebenes WLAN-Netz. Je nach Aufbau können benachbarte Knoten auch ohne eigenen Internetanschluss miteinander kommunizieren. Viele Installationen nutzen jedoch Internet-Uplinks oder VPN-Verbindungen; fällt dieser Anschluss aus, gibt es darüber keinen Internetzugang. Router benötigen außerdem Strom. Ob das örtliche Netz ohne Internet für lokale Dienste nutzbar bleibt, hängt von der Community und Technik ab. Prüfen Sie dies vorab mit Ihrer Freifunk-Gruppe. Beispiel Freifunk Saar: Mesh ohne eigenen Internetanschluss.

Amateurfunk: wertvolle Fähigkeit, aber kein Jedermannfunk

Amateurfunk kann Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen unterstützen. Eine Amateurfunkstelle darf in Deutschland grundsätzlich erst nach Zulassung und Rufzeichenzuteilung betrieben werden. Das Gesetz erlaubt Funkamateuren in Not- und Katastrophenfällen unter bestimmten Voraussetzungen, Nachrichten für Dritte zu übermitteln. Das ist keine allgemeine Erlaubnis für nicht zugelassene Personen, ein Amateurfunkgerät zu bedienen. Zudem ist Amateurfunk laut Gesetz kein Sicherheitsfunkdienst. Lizenzierte Funkamateure sollten Kenntnisse, Stromversorgung und örtliche Kontakte vor einer Krise auffrischen. Amateurfunkgesetz, §§ 2, 3 und 5 · DARC: Notfunk.

Was ist für einen Haushalt sinnvoll?

  • Für alle: Papier-Kontaktliste, feste Treffpunkte, externe Kontaktperson, Check-in-Regeln und ein Batterie- oder Kurbelradio.
  • Für kurze Wege: Wenn alle mitmachen, können zwei oder mehr passende PMR446-Handfunkgeräte eine einfache Ergänzung sein. Probieren Sie sie im Wohnumfeld aus, vereinbaren Sie Gesprächszeiten und halten Sie Ersatzbatterien bereit.
  • Für Funkinteressierte: CB-Funk oder ein LoRa-Mesh können Ergänzungen sein, wenn mehrere Personen passende Geräte haben, die Bedienung kennen und regelmäßig testen. Prüfen Sie zuerst, ob vor Ort tatsächlich Gegenstellen oder eine aktive Gruppe existiert.
  • Für lizenzierte Funkamateure: Gerät, Akkus, Antenne, Zulassung und örtliche Kontakte vorbereiten. Ohne Strom, funktionierende Antenne und erreichbare Gegenstation hilft auch ein gutes Gerät nicht.

Üben Sie gelegentlich ohne Smartphone: Finden sich alle am Treffpunkt? Hören die Geräte in den vereinbarten Bereichen? Sind Bedienung und Ladewege allen bekannt? Passen Sie den Plan an, wenn etwas nicht funktioniert. Kaufen Sie keine Geräte, bevor klar ist, wer sie bedienen und prüfen wird.

Recht, Sicherheit und Notruf

  • Verwenden Sie nur Funkgeräte und Frequenzen, die in Deutschland für Ihren Zweck zugelassen oder zugeteilt sind. Ändern Sie Leistung, Antenne oder Frequenz nicht entgegen den geltenden Regeln.
  • Nutzen Sie niemals Behörden- und Organisationsfunk (BOS) oder fremde Funkdienste. Blockieren Sie keine Frequenzen und halten Sie Aussendungen kurz.
  • Funk ersetzt keinen Notruf. Bei akuter Lebensgefahr 112 wählen, wenn erreichbar. Bei Ausfall des Telefonnetzes nutzen Sie kommunale Anlaufstellen oder suchen Sie, wenn möglich, Polizei beziehungsweise Krankenhaus persönlich auf. Folgen Sie örtlichen Anweisungen.
  • Ein Stromausfall kann Router, Basisstationen, Ladegeräte, Repeater und Netzinfrastruktur betreffen. Jeder Funkweg benötigt passende Gegenstellen und ausreichend Energie.

Quellen und weiterführende Informationen

Quellen geprüft am 22. Oktober 2026. Diese Übersicht ist allgemeine Vorsorgeinformation, keine individuelle Funk- oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben der Bundesnetzagentur und die Notfallplanung Ihrer Kommune.

Zum Ausfüllen: Ihr Notfall-Kommunikationsplan

Drucken Sie diese Vorlage aus, füllen Sie sie gemeinsam aus und geben Sie allen Beteiligten eine Kopie. Private Kontaktdaten gehören nur in Ihre eigene Papierkopie, nicht auf eine öffentliche Webseite.

Kontakte und Check-in

Kontaktperson außerhalb der Region: ________________________________________________

Telefon oder vereinbarter alternativer Kontaktweg: ___________________________________

Check-in-Zeiten und kurze Statusmeldung (zum Beispiel „bin sicher“): __________________

Treffpunkte und Unterstützung

Treffpunkt in der Nähe: ______________________________________________________________

Alternativer Treffpunkt außerhalb des Wohnumfelds: ___________________________________

Kommunale Informationsstelle (vorab bei der Gemeinde erfragen): _______________________

Wer braucht Unterstützung, wer schaut nach wem? ______________________________________

Aufgaben und Zuständigkeiten: _________________________________________________________

Vereinbarter Funkweg (nur nach gemeinsamem Test): _____________________________________

Zuletzt aktualisiert: ____________________ Nächster gemeinsamer Test: ________________

Prüfen Sie den Plan nach Änderungen und üben Sie gelegentlich ohne Smartphone. Örtliche Anweisungen haben Vorrang. Weitere Hinweise zu amtlichen Warnungen finden Sie auf Warnungen bei Stromausfall: NINA, Cell Broadcast, Sirenen und Radio.