Kommunikation ohne Internet: Was funktioniert noch?

Fällt nur der Internetzugang aus, können Telefonate und SMS über das Mobilfunknetz noch funktionieren. Ist dagegen auch das Mobilfunknetz, der Strom oder die örtliche Netzinfrastruktur gestört, braucht es andere Wege. Welche Verbindung hilft, hängt deshalb davon ab, was genau ausgefallen ist – und ob die Menschen, die Sie erreichen möchten, vorbereitet sind.

Diese Seite ergänzt unseren Überblick zur Kommunikation im Notfall. Sie erklärt, was bei einem reinen Internetausfall noch möglich ist und welche Funk- und Offline-Alternativen sich für Haushalt und Nachbarschaft eignen. Keine davon ist ein garantierter Ersatz für den Notruf oder eine amtliche Warnung. Folgen Sie im Ereignisfall den Anweisungen der Behörden.

Zuerst unterscheiden: Internetstörung oder Netzausfall?

„Das Internet ist weg“ kann Verschiedenes bedeuten: Der Router hat keine Verbindung, ein Anbieter ist gestört oder die Stromversorgung beziehungsweise ein größeres Kommunikationsnetz ist ausgefallen. Mobilfunkgespräche und SMS benötigen nicht dieselbe Internetverbindung wie Web, E-Mail oder Messenger. Bei einer reinen Festnetz-Internetstörung können sie daher weitergehen – sofern Mobilfunknetz, Endgerät und Stromversorgung verfügbar sind. Bei einer umfassenden Störung können auch Telefonie und SMS ausfallen oder überlastet sein. Das BBK weist darauf hin, dass Mobilfunknetze bei Stromausfällen oft nur begrenzte Zeit funktionieren und schnell überlastet sein können.

Auch ein Festnetztelefon ist nicht automatisch unabhängig vom Strom: Viele heutige Anschlüsse laufen über Internetprotokoll (VoIP). Router, Glasfaserabschlussgerät und schnurlose Telefonbasis benötigen Strom. Ob ein Anschluss bei Stromausfall weiterarbeitet, hängt von der konkreten Technik und einer vorhandenen Notstromversorgung ab. Prüfen Sie das bei Ihrem Anbieter und testen Sie Ihre Geräte.

Welche Wege können ohne Internet helfen?

Telefon und SMS über Mobilfunk

Bei einem reinen Ausfall des heimischen Internetanschlusses sind normale Mobilfunkanrufe und SMS oft der erste Versuch. SMS benötigen keine mobile Datenverbindung, aber weiterhin ein funktionierendes Mobilfunknetz. Messenger, E-Mail, Karten- und Nachrichten-Apps benötigen dagegen meist einen Internetzugang. Wenn das Netz überlastet ist, senden Sie kurze Statusmeldungen statt wiederholt anzurufen und vereinbaren Sie vorher feste Check-in-Zeiten. Ein zweiter Mobilfunkanbieter kann bei einer örtlichen Störung helfen, wenn er ein anderes Netz nutzt; bei großflächigem Strom- oder Netzausfall ist das keine verlässliche Ausweichlösung.

Bluetooth und WLAN direkt zwischen Geräten

Bluetooth und WLAN können Geräte in der Nähe direkt verbinden, ohne dass ein Internetanschluss nötig ist. Je nach Smartphone, Betriebssystem und App lassen sich damit Dateien oder kurze Nachrichten austauschen. Die Reichweite ist begrenzt und wird durch Wände, Gebäude und Störungen beeinflusst. Alle Beteiligten brauchen kompatible, geladene Geräte; manche Funktionen müssen vorher eingerichtet oder ausprobiert werden. Das ist ein Weg für unmittelbare Nähe, keine Verbindung über Stadtteile oder große Entfernungen. Laden Sie wichtige Karten und Dokumente vorher offline herunter und halten Sie Telefonnummern zusätzlich auf Papier fest.

PMR446: einfache Handfunkgeräte für kurze Wege

PMR446-Geräte sind für einfache Gespräche zwischen passenden Handfunkgeräten gedacht. In Deutschland sind dafür Geräte im zugeteilten Frequenzbereich und innerhalb der geltenden technischen Bedingungen allgemein zugelassen; individuelle Funklizenz und Rufzeichen sind dafür nicht erforderlich. Die Bundesnetzagentur nennt für den Bereich 446,0–446,2 MHz höchstens 500 mW ERP. Reichweitenangaben auf Verpackungen sind keine Zusage: Häuser, Gelände, Antennenhöhe und andere Funknutzungen machen in der Praxis einen großen Unterschied. PMR446 eignet sich eher für Familie, kleine Gruppen oder Nachbarschaft in überschaubarer Entfernung. Vereinbaren Sie vorab Gerät, Kanal, Rufnamen und Zeiten und testen Sie die Verbindung am tatsächlichen Einsatzort.

CB-Funk: mehr Möglichkeiten, aber mehr Vorbereitung

CB-Funk ist eine private, nicht kommerzielle Funkanwendung. Die Bundesnetzagentur teilt die vorgesehenen Frequenzen der Allgemeinheit zu. Eine individuelle Lizenz ist nicht nötig, die veröffentlichten technischen und betrieblichen Bedingungen gelten trotzdem. CB-Geräte gibt es als Hand-, Mobil- und Stationsgeräte; Antenne, Montage, Stromversorgung und Bedienung beeinflussen die Reichweite stark. CB-Funk ist sinnvoll, wenn mehrere Beteiligte kompatible Geräte besitzen und die Nutzung vorher üben. Ohne erreichbare Gegenstelle entsteht keine Verbindung; die Frequenzen sind außerdem gemeinschaftlich genutzt und nicht störungsfrei garantiert.

LoRa-Mesh und Meshtastic: kurze Textnachrichten ohne Mobilfunk

LoRa bezeichnet eine Funktechnik für kleine Datenmengen. Meshtastic nutzt geeignete LoRa-Geräte, um kurze Textnachrichten zwischen kompatiblen Knoten zu übertragen und weiterzureichen – auch ohne Mobilfunk oder Internet. Das funktioniert nur, wenn die Geräte eingeschaltet, richtig konfiguriert und innerhalb einer Funkverbindung oder über erreichbare Zwischenknoten verbunden sind. Es gibt keine automatische flächendeckende Infrastruktur und keine Garantie, dass in Ihrer Gegend andere Knoten aktiv sind. Die Datenrate ist niedrig; für Sprachanrufe, große Dateien oder verlässliche Notrufe ist das System nicht ausgelegt. Nutzen Sie nur für Deutschland zugelassene Geräte und Einstellungen im Rahmen der aktuellen Frequenzbedingungen. LoRaWAN ist davon zu unterscheiden: Es ist typischerweise ein Netz mit Gateways und Serverdiensten und nicht automatisch ein direkter privater Chat.

Freifunk und lokale WLAN-Netze

Freifunk ist eine von lokalen Communities betriebene WLAN-Infrastruktur. Ein Mesh kann unter passenden Bedingungen lokale Verbindungen zwischen Knoten erhalten, auch wenn ein einzelner Internetanschluss fehlt. Viele Dienste und Knoten brauchen jedoch Strom; Internetzugang über einen ausgefallenen Uplink steht dann nicht zur Verfügung. Ob ein Freifunk-Netz vor Ort ohne Internet lokale Kommunikation ermöglicht, hängt von der konkreten Community und ihrer Konfiguration ab. Fragen Sie Ihre lokale Gruppe und verlassen Sie sich nicht darauf, ohne es vorher getestet zu haben.

Amateurfunk: leistungsfähig, aber an Zulassung gebunden

Amateurfunk kann bei Not- und Katastrophenhilfe eine wichtige Rolle spielen und je nach Frequenz, Ausrüstung und Bedingungen auch größere Entfernungen überbrücken. Zum Senden braucht man in Deutschland eine bestandene Prüfung, eine Zulassung und ein persönliches Rufzeichen. Ein vorhandenes Amateurfunkgerät berechtigt nicht dazu, ohne Zulassung auf Amateurfunkfrequenzen zu senden. Das Amateurfunkgesetz erlaubt Funkamateuren in Not- und Katastrophenfällen unter den gesetzlichen Voraussetzungen die Übermittlung von Nachrichten für oder an Dritte; daraus folgt keine allgemeine Freigabe für unlizenzierte Personen. Amateurfunk ist laut Gesetz kein Sicherheitsfunkdienst und ersetzt keinen garantierten Behörden- oder Notrufkanal. Wer sich dafür interessiert, kann über einen Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs lernen und an Übungen teilnehmen.

Satellitentelefon und Satelliten-Messenger

Satellitengeräte können eine zusätzliche Verbindung bieten, wenn terrestrische Mobilfunknetze nicht erreichbar sind. Sie benötigen jedoch passende Hardware, ausreichenden Akku, freie Sicht zum Himmel und je nach Dienst eine aktive Registrierung oder ein kostenpflichtiges Abonnement. Anbieter, Geräte und Funktionen sind nicht untereinander austauschbar; manche Satelliten-Messenger senden nur kurze Nachrichten, manche Dienste erreichen nur eine Leitstelle oder bestimmte Kontakte. Prüfen Sie vor der Anschaffung Abdeckung, laufende Kosten, Notruf-Funktion und Bedienung anhand der aktuellen Anbieterbedingungen. Ein Gerät in der Schublade ohne eingerichteten Dienst und gemeinsame Kontaktplanung ist kein belastbarer Notfallplan.

Radio: verlässlicher Empfang, aber keine Rückmeldung

Ein batterie-, kurbel- oder autobetriebenes Radio kann offizielle Informationen empfangen, wenn Sender und Empfang vor Ort verfügbar sind. Es ist ein Einwegkanal: Sie hören Meldungen, können damit aber weder Angehörige anrufen noch selbst Hilfe anfordern. Das BBK empfiehlt, ein Radio für Krisen bereitzuhalten und örtliche Anlaufstellen der Kommune zu kennen. Ergänzend sind Warn-Apps und Cell Broadcast nützlich, solange Smartphone, Mobilfunknetz und Stromversorgung funktionieren.

Was ist für die meisten Haushalte sinnvoll?

  • Für alle: Papierliste wichtiger Kontakte, abgesprochene Treffpunkte, eine Kontaktperson außerhalb der Region und ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio.
  • Bei reinem Internetausfall: zuerst normale Telefonie und SMS über Mobilfunk versuchen; Messenger und Webdienste nur bei weiter funktionierendem Internet nutzen.
  • Für kurze Entfernungen: PMR446 kann eine einfache Ergänzung sein, wenn mehrere Personen passende Geräte besitzen, die Bedienung kennen und die Verbindung vorher testen.
  • Für technikinteressierte Gruppen: CB-Funk oder ein LoRa-Mesh können ergänzen, wenn vor Ort genügend Gegenstellen vorhanden sind und alle Beteiligten regelmäßig üben.
  • Für größere Distanzen: Amateurfunk kommt für zugelassene Funkamateure infrage; Satellitendienste sind eine kostenpflichtige, anbietergebundene Option.
  • Für Warninformationen: ein batteriebetriebenes Radio und die Kenntnis kommunaler Notfall- und Informationsstellen. Bei echter akuter Gefahr gilt 112, sofern erreichbar.

Üben Sie den vereinbarten Ablauf gelegentlich ohne Smartphone: Können alle die Treffpunkte erreichen? Funktionieren Funkgeräte in den vorgesehenen Bereichen? Sind Akkus geladen und Ersatzbatterien vorhanden? Bei Stromausfall können auch Kommunikationsnetze nach kurzer Zeit ausfallen oder überlastet sein. Nutzen Sie 110 und 112 ausschließlich für tatsächliche Notfälle und erkundigen Sie sich vorab bei Ihrer Stadt oder Gemeinde, wo es bei einem längeren Ausfall Informationen und Anlaufstellen gibt.

Rechtliche Hinweise

„Lizenzfrei“ bedeutet nicht „regellos“: Verwenden Sie nur konforme Geräte und die dafür allgemein zugeteilten Frequenzen innerhalb der geltenden Leistungs-, Antennen- und Nutzungsbedingungen. Ändern Sie keine Funkgeräte, Sendeleistung oder Frequenzen entgegen den Vorschriften und benutzen Sie keine Behörden- und Organisationsfunkfrequenzen. Für Amateurfunk ist eine Zulassung zum Senden nötig. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die jeweils geltenden Allgemeinzuteilungen; prüfen Sie die aktuellen Vorgaben vor dem Betrieb. Diese Übersicht ist allgemeine Information und keine individuelle Rechtsberatung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BBK: Informationstechnik und Telekommunikation – Verhalten bei Stromausfall und Ausfall von Kommunikationsnetzen
  2. BBK: In der Krise informiert sein
  3. Bundesnetzagentur: CB-Funk
  4. Bundesnetzagentur: aktuelle Allgemeinzuteilungen, einschließlich SRD/PMR446
  5. Bundesnetzagentur: Amateurfunk – Prüfung und Zulassung und Amateurfunkgesetz §§ 2, 3 und 5
  6. Bundesnetzagentur: Satellitenkommunikationsdienste
  7. Meshtastic-Dokumentation: ein lokales Mesh finden und beitreten
  8. Freifunk Saar: Informationen zu lokalem Mesh-Betrieb

Redaktioneller Stand: 24. Oktober 2026. Allgemeine Vorsorgeinformation. Im Ereignisfall haben aktuelle Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden Vorrang.

Weiterführend: Kommunikation im Notfall – Familienplan, Funkwege und Notfall-Kommunikationsplan · Warnungen bei Stromausfall: NINA, Cell Broadcast, Sirenen und Radio · Stromausfall: Vorbereitung und Verhalten